LOWZ, Zell am See (A)

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Hier werden Träume vom Fliegen in Kanada wahr – mitten in Europa. Je nach Flugzeugtyp 30 bis 60 Minuten südlich von München liegt diese echte Perle der österrreichischen Luftfahrt. Nur wenige Kilometer nördlich des gewaltigen Großglockners (3798 m) und des Kitzsteinhorns (3203 m) am Zeller See gelegen sind von hier aus viele Freizeitaktivitäten in unmittelbarer Nähe möglich. So liegt etwa der Ski-Klassiker Kaprun nur drei Kilometer vom Flugplatz entfernt. Am liebsten fliegen Piloten natürlich im Frühling und Sommer nach “Zell”. Bei blauem Himmel verliert die monumentale Landschaft im Anflug und um den Flugplatz herum viel von ihrer für den Flachlandpiloten bedrohlichen Wirkung. Bei Winden um die zehn Knoten ist es auch im Anflug nur selten leicht bockig, starker Wind bei der Landung ist eher selten.

LOWZ
Highlights:

  • Landebahnlänge 580 m, 660 für den Start, parallele Grasbahn
  • Hangarierung möglich
  • Gutes Flugplatzrestaurant mit angemessenen Preisen
  • Fahrrad- und Motorroller-Vermietung, wahrscheinlich gibt es bald auch einen PKW. Telefonisch reservieren!
  • Avgas meist günstiger als in Deutschland
  • Sehr gute Hotel- und Tourismus-Infrastruktur. Für einen Samstag-Nachmittag bietet sich der Radweg rund um den Zeller See an
  • Infos mit Anflugblättern etc: http://flugplatz-zellamsee.at/de/
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Anflug aus Westen, kurz vor “Whiskey” – wo man in 4000 Fuß ankommen sollte

Zell am See anzufliegen ist bei guten Wetterbedingungen nicht schwierig. Trotzdem “trauen” sich laut Aussage der Flugleitung viele Piloten nicht nach Zell. Sie fürchten die kurze Bahn und das Fliegen in der Platzrunde nahe der Hänge. Ist das der Fall könnte man sich überlegen, das erste Mal mit einem Fluglehrer nach Zell zu fliegen, der mit dem Platz vertraut ist. Eine gute Methode ist auch, sich beim ersten Anflug nicht unter Druck zu setzen und z.B. den einfachen Geradeaus-Anflug über Whiskey zu wählen.

Mein bevorzugter Anflug auf Zell am See, aus Norden kommend:

– Vom westlichen Ufer des Chiemsee in 8000 Fuß Track 180 fliegen
– Kurz bevor ich das Salzachtal etwa 10 Meilen von “Whiskey” erreiche (Bearing zum Flugplatz ca. 090) gehe ich in den Sinkflug und melde mich zum ersten Mal bei “Zell am See Flugplatz”
– Der Sinkflug muss so eingeteilt werden, dass man den Pflichtmeldepunkt (!) Whiskey in 4000 Fuß erreicht, exakt fünf Meilen vor der Schwelle der “08”
– Nach einem leichten Linksknick ist man im Endanflug
– Ist die “26” in Betrieb, biegt man kurz nach der Ortschaft Fürth nach Norden ab und fliegt in 3500 Fuß die Platzrunde: nah am Berg, über die Mitte des Sees zum rechten Queranflug 26

IMG_6930Ab Whiskey gilt es im Endanflug auf Segelflugzeuge zu achten (die aber ausschließlich südlich des Flugplatzes kreisen!) und auf die zwei bis drei Schleppmaschinen zu achten. Der Turm leistete hier bei meinem Anflug sehr gute Arbeit und informierte mich fortlaufend über den Platzverkehr.

Von Norden wird grundsätzlich über “November” und den leicht identifizierbaren Kontrollpunkt “Lake” in der Seemitte angeflogen. Von “Lake” aus sollte man sich im Gegenanflug auf die “08” ganz nah am Berg halten. Bedeutende Turbulenz gibt es hier nur bei stärkeren Winden aus Nord. Nach einem knappen Queranflug ist man schon im Endanflug. Noch einfacher ist von “Lake” aus der Anflug auf die 26. Kommt man aus Westen sollte man sich den Anflug so einteilen, dass man über “Whiskey” in 4000 Fuß ankommt.

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Blick von Westen zum Flugplatz, aufgenommen nahe der Schwelle der 08. Startet man auf der 08 fliegt man direkt auf den Berg im Hintergrund zu und dreht kurz davor nach links (Norden) zum Meldepunkt “Lake” ab. Bei der Cirrus meldet sich bei Annäherung an den Berg gern das EGPWS (“Terrain, pull up”), man kann es aber für den Abflug stumm schalten.

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Der Fahrrad-Hangar: Es gibt Mountain-, City- und ein Elektrobikes, sowie zwei oder drei Motorroller. Seit kurzem gibt es auch wieder einen kleinen Mietwagen. Ein normales Fahrrad kostet etwa 10 Euro pro Tag.

Abflüge in Richtung Deutschland finden über “Lake” und “November” statt, wobei man bei hohen Temperaturen schnell an die Leistungsgrenzen des Flugzeugs kommen kann. So können zwischen dem Zeller See und Saalfelden schon einmal zwei, drei Kreise nötig sein, um Richtung Lofer mit genügend Überhöhung über die Berge zu kommen.

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Steigflug zwischen Saalfelden und Lofer nach dem Abflug über “November”. Bei hohen Sommertemparaturen und vollen Tanks sorgen auch die 310 PS der SR22 nicht mehr für beeindruckende Steigraten. Reicht die Leistung für ein sicheres Überqueren der Berge nach Norden nicht aus, kann man nördlich des Zeller Sees mit ein paar Kreisen Höhen gewinnen

Übrigens: Südlich des Flugplatzes Zell am See beginnt der Nationalpark Hohe Tauern, der von motorgetriebenen Flugzeugen nicht überflogen werden darf – auch wenn das leider immer wieder passiert. Die Karte zeigt Lage und Ausdehnung des Nationalparks.

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About Author

1995-2002 Redakteur und Chefreporter bei fliegermagazin, 2004-2008 Chefredakteur des Airbus-Magazins "Planet Aerospace". Seit 2002 Buchautor und freiberuflicher Luftfahrtjournalist. Privatpilot mit IR Rating.

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