Hangar Flying: Internet-Communities für Piloten

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Vielleicht habe Sie ja auch schon mit dem Gedanken gespielt, sich einem Pilotenforum anzuschließen. Vor allem an verregnet-nebligen Novembertage ohne jede Chance auch nur eine Platzrunde zu fliegen, kann man man an diesen Orten des Internet Gleichgesinnte treffen und über das gemeinsame Hobby quatschen. Hier ein kurzer Erfahrungsbericht zu einigen Foren.

Seriös, wenn auch etwas gediegen und manchmal auch langweilig geht des bei “PPL/IR” (www.pplir.org) zu, dem Forum für private Instrumentenflieger. Außerdem ist der Spaß nicht ganz billig – eine jährliche Mitgliedschaft bei PPL/IR kostet fast 90 Euro. Auch das Design der Website ist etwas altbacken, wie in der Zeit stehen geblieben. Der Vorteil: Man trifft hier viele der erfahrensten privaten IFR-Piloten Europas. Der Fokus des in England ansässigen Forums liegt allerdings auf “UK”, und so kommen viele Themen zur Sprache, die für Piloten vom Kontinent eher weniger relevat sind, zum Beispiel das britische “IMC Rating”, die etwas unterschiedlichen ATC-Verfahren und -Regelungen. Man merkt auch schnell, dass England weit im Rückstand ist wenn des um moderne GPS-Anflugverfahren wie LPV oder LNAV/VNAV geht, die es dort an Verkehrslandeplätzen noch so gut wie überhaupt nicht gibt. Überhaupt scheint die private Fliegerei auf der Insel aus deutscher Sicht merkwürdig altmodisch – was nichts über die vielen sehenswerten Ziele aussagt, die es wert sind dass man sich mit den besonderen Regelungen im Königreich auseinandersetzt.

Ebenfalls aus England kommt euroGA (www.euroga.org), ein neueres englischsprachiges Forum, das die gesamte Bandbreite der privaten Fliegerei abdeckt. euroGA besticht durch sein klares (wenn auch altmodisches) Web-Design und dadurch, dass sich hier Piloten aus ganz Europa treffen. Die Themen sind vielfältig und interessant, zudem ist das Forum kostenfrei. Ein Wermutstropfen ist der etwas verschrobene Inhaber und Admin des Forums, dessen Vorstellung von freier Meinungsäußerung sich leider eher an Dritteweltstaaten orientiert. Eher amüsant sind seine zahlreichen Verschwörungstheorien – wie etwa, dass beim Überflug von Le Mans in Frankreich sein Autopiloten durch eine geheime Radaranlage o.ä. zerstört wurde. Wer nicht oft widerspricht und (was den Admin betrifft) diplomatisch begabt ist, findet hier viele interessante Gesprächspartner. Rebellischere Naturen (wie kürzlich der Autor) werden schon mal ausgeschlossen.

Bisweilen hemdsärmlig geht es im Forum der Zeitschrift “Pilot und Flugzeug” (https://www.pilotundflugzeug.de) zu,  was auch daran liegt, dass das Forum so gut wie unmoderiert ist. Der Vorteil: Es gibt hier keine Gesinnungspolizei wie bei euroGA, und die Mitglieder tragen ihre bisweilen vorkommenden Konflikte mit offenem Visier aus – was anstrengend sein kann, aber in der Regel gut funktioniert. Auf jeden Fall treffen sich bei “PuF” viele erfahrene Piloten aus dem deutschsprachigen Raum, Fragen werden oft schnell und kompetent beantwortet.

COPA (https://www.cirruspilots.org) ist der heilige Gral für Cirrus-Piloten, wird aber auch von vielen Piloten anderer Typen für einen regen Austausch genutzt. Auf COPA findet man Antworten und Erfahrungsberichte zu praktisch allen technischen Fragen zu Cirrus-Flugzeugen, aber auch Links zu Wartungshandbüchern, Statistiken zur Sicherheit und oft auch private Angebote von Ersatzteilen und Zubehör. Außerdem ist COPA eine sehr gute Möglichkeit, weltweit Kontakte zu anderen Cirrus-Piloten zu knüpfen. Angenehm bei COPA ist der sehr zivilisierte Umgang der Mitglieder untereinander. Streiterein (v.a. zur derzeitigen US-Politik etc.) finden fast ausschließlich in der “Hot Section” statt – die man meiden sollte, da es hier oft in unerträglicher Weise gegen (politisch) Andersdenkende geht. Ansonsten ist COPA eine nahzu unerschöpfliche Quelle nicht nur zu Cirrus-Flugzeugen, sondern auch auch zum Fliegen in den USA und vielen verwandten Themen. Hat man ein technisches Problem mit seiner Cirrus, so findet man die Antwort hier oft am schnellsten. 65 USD kostet die Mitgliedschaft bei COPA für Vollmitglieder, Fluglehrer und -schüler bekommen einen Rabatt. Im Preis inbegriffen ist eine zweimonatige Mitgliederzeitschrift.

Facebook: Auch auf der größten aller Social-Media-Plattformen sind natürlich viele Piloten unterwegs – und haben dort spezielle Interessengruppen zu den verschiedenste Themen und Aspekten der GA ins Leben gerufen. Es gibt einen Flohmarkt speziell für Piloten, die verschiedensten Typenclubs und auch eine IG der IFR-Piloten.

 

 

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About Author

1995-2002 Redakteur und Chefreporter bei fliegermagazin, 2004-2008 Chefredakteur des Airbus-Magazins "Planet Aerospace". Seit 2002 Buchautor und freiberuflicher Luftfahrtjournalist. Privatpilot mit IR Rating.

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